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Farbe bekennen für eine menschliche und solidarische Schweiz

Volkstanz-Chilbi im Hauptbahnhof Zürich am 10. Juni 2018


Volkstanzen mit Flüchtlingen

 

Dieses Projekt vom HEKS (Hilfswerk der evangelischen Kirche Schweiz) überzeugt mich. Gruppen in Basel und Zürich lernen die gleichen Volkstänze mit dem Ziel eine Volkstanz-Chilbi im Zürcher Hauptbahnhof zu feiern mit Trachtenleuten und Flüchtlingen, die in der Schweiz leben.

 

Maria Reinhard und Trachtenleute aus dem ganzen Kanton unterstützen mich tatkräftig.

 

Die erste Probe - was kommt auf uns zu? Wie können wir mit den Flüchtlingen sprechen? Sind sie motiviert etwas von unserer Kultur zu lernen? Kommt überhaupt jemand? Fragen über Fragen.

Die vier ausgewählten Tänze, Innerschwyzer Alewander, Bündner Siebenschritt, Ora sur chomps und Kettengalopp, sind auch den Trachtenleuten zum teil nicht bekannt. Doch diese verstehen die Volkstanz-Sprache im Gegensatz zu den Menschen aus einem völlig anderen Kulturkreis.

 

Schnell stellt sich heraus, dass die Instruktion fast ausschliesslich über Vorzeigen funktioniert. Die Teilnehmenden kommen aus den verschiedensten Ländern mit wenig bis gar keinen Vorkenntnissen im Tanzen. Ich zähle den Takt und sofort zählen alle mit - nur nicht immer alle im gleichen Rhythmus. Beim Burschenpart im Innerschweizer Alewander führt das zu lustigen Situationen - ein Mann hat plötzlich drei Frauen, dagegen zwei andere Männer bleiben allein. Wir können zusammen lachen, wenn das Timing manchmal nicht optimal ist. Priya Koch und Susanne Schär vom HEKS sind uns eine grosse Hilfe während den Tanzabenden.

 

Nach vier Proben sind wir bereit für die Chilbi in Zürich. Gemeinsam reisen wir von Bern ans grosse Fest und treffen dort auf die Gruppen aus Zürich und Basel. Diejenigen ohne Tracht werden in ein T-shirt mit dem Logo «Farbe bekennen» eingekleidet. Schon bald geht es los mit einer Polonaise, dem Kettengalopp und Ora sur chomps. Es folgt ein Workshop mit ganz einfachen Volkstänzen, die niemand geübt hatte; Andrea Schmid fordert auch das zahlreiche Publikum zum Mittanzen auf. Bald tanzt eine fröhliche Schar Trachtenleute, Flüchtlinge und Publikum auf der grossen Tanzfläche im Hauptbahnhof Zürich.

 

Die Effiger Husmusig spielt die Tänze gekonnt und erfreut auch die Leute, die keine Lust zum Tanzen haben.

Mit Raclette, Getränken und selbstgebackenen Kuchen werden wir kulinarisch verwöhnt.

 

Es geht weiter Schlag auf Schlag mit Attraktionen: z.B. wird ein Nachtessen mit Gilles Tschudi (Schweizer Schauspieler) versteigert, Donghua Li (Olympiasieger am Pferdpauschen) zeigt uns seine «Goldübung», ein Naturjuzz-Quartett erfreut uns mit ein paar Liedern und Max Urban (Sänger) interpretiert gekonnt «Hemmige» von Mani Matter und den «Schacher Seppli» mit neuem, ergreifenden Text über das Schweizer sein mit dunkler Hautfarbe.

 

Dazwischen immer wieder Tanzen ohne und mit Publikum. Es ist ein fröhlicher, bunter Nachmittag mit vielen Begegnungen ohne Berührungsängste.

 

Schade, dass das Projekt nun abgeschlossen ist. Es hat sehr viel Spass gemacht und hoffentlich bei vielen Menschen Ängste vor dem Fremden abgebaut. Alle Teilnehmer sind sich einig - wir wollen uns wiedersehen!

 

Text: Danielle Zaugg

Fotos: HEKS/Sabine Buri (Hilfswerk evangelischer Kirchen Schweiz)